Der französische Stabhochspringer Renaud Lavillenie © dpa - Bildfunk Foto: Michael Kappeler

Stabhochsprung

Gold-Favorit Lavillenie pokert und scheitert spektakulär

Renaud Lavillenie hat gepokert und spektakulär verloren. Der französische Stabhochsprung-Olympiasieger stieg im EM-Finale erst ein, als alle anderen Konkurrenten schon durch waren, katapultierte sich aber mit einem Salto Nullo aus dem Medaillenkampf.

Dass Renaud Lavillenie gerne mal die Stabhochsprung-Konkurrenz springen lässt und spät in den Wettkampf einsteigt, ist nichts Ungewöhnliches. Der Olympiasieger springt oft in anderen Dimensionen. Am Freitag (08.07.16) im Amsterdamer Olympiastadion verpokerte sich der Franzose allerdings gehörig. Als alle anderen bereits durch waren und neben der Anlage saßen, zückte der dreimalige Europameister erstmals seinen Stab - bei 5,75 m. Eine stattliche Höhe, die der Weltrekordler (6,16 m) normalerweise locker draufhat.

Doch dieses Mal nicht. Lavillenie riss alle drei Versuche und saß hinterher bedröppelt auf der Matte, während der Pole Robert Sobera sein Glück kaum fassen konnte. Mit bescheidenen 5,60 Meter kam er zu EM-Gold. Der höhengleiche Tscheche Jan Kublicka sicherte sich Silber vor Robert Renner aus Slowenien (5,50). "Ich habe einfach meine Power nicht gefunden", sagte Lavillenie im ZDF-Interview. Karsten Dilla aus Leverkusen kam im Finale über 5,30 Meter und Platz sieben nicht hinaus.

Scherbarths Quali zum Vergessen

Tags zuvor in der Qualifikation waren die Höhen ähnlich schlecht gewesen. Tobias Scherbarth erlebte einen Wettkampf zum Vergessen. Schon bei seiner Einstiegshöhe riss der Leverkusener die Latte einmal. Bundestrainer Leszek Klima wies seinen Athleten daraufhin an, einen härteren Stab zu nehmen. Damit schaffte der 30 Jahre alte deutsche Meister dann die 5,35 m. Doch genau dieser eine Fehlversuch wurde dem 1,95-Meter-Mann am Ende zum Verhängnis. Denn 5,35 m reichten tatsächlich zum Finale - allerdings nur für die Athleten, die diese Höhe im ersten Versuch übersprungen hatten.

Dilla einer von fünf Glücklichen

Dilla überstand die Vorkämpfe denkbar knapp. Als Zwölfter zog der 26-Jährige zusammen mit vier Höhengleichen (5,35 m) ins Finale ein. Alle Fünf mussten gehörig zittern. Hätte nur einer von ihnen auch noch die 5,50 m übersprungen, wären die anderen ausgeschieden.

Bundestrainer spricht von "kollektivem Versagen"

Als es noch so aussah, dass Scherbarth und Dilla gemeinsam die Segel streichen würden, redete sich Bundestrainer Klima am ZDF-Mikrofon in Rage. Die beiden hätten den Wettkampf auf die leichte Schulter genommen, nachdem 5,50 oder 5,60 m im Training kein Problem gewesen wären. Den Auftritt seiner Schützlinge bezeichnete Klima als "kollektives Versagen". Nach der kurzfristigen verletzungsbedingten Absage von Raphael Holzdeppe bestand das Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) im Stabhochsprung nur noch aus zwei Athleten.

"Ich bin überhaupt nicht in den Wettkampf reingekommen - und dann ist es so schnell vorbei", ärgerte sich Scherbarth. Die persönliche Bestleistung des deutschen Meisters liegt bei 5,75 m. Damit wäre er im denkwürdigen Stabhochsprung-Finale von Amsterdam ganz oben auf dem Treppchen gelandet.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 09.07.2016, 20.15 Uhr

Stand: 08.07.16 21:26 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge Polen POL 6 5 1
2. Flagge Deutschland GER 5 4 7
3. Flagge Großbritannien GBR 5 3 8
4. Flagge Türkei TUR 4 5 3
5. Flagge Niederlande NED 4 1 2
6. Flagge Spanien ESP 3 4 1
7. Flagge Portugal POR 3 1 2
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