Präsident Thomas Bach (M.) spricht zu den Mitgliedern des IOC-Summits. © dpa Foto: Laurent Gillieron

IOC öffnet Hintertür für russische Leichtathleten

Russischen Leichtathleten ist es nun doch möglich, unter ihrer Landesflagge bei den Olympischen Spielen zu starten. Das IOC öffnete ihnen eine Hintertür. Trotzdem will der russische Leichtathletik-Verband gegen seine Suspendierung vor dem Internationalen Sportgerichtshof klagen.

Leichtathleten aus Russland dürfen trotz der Suspendierung ihres Verbandes auf einen Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro hoffen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) öffnete den russichen Sportlern bei seinem Gipfel am Dienstag in Lausanne eine Hintertür. Nachweislich saubere russische Leichtathleten dürfen bei den Spielen in Rio unter ihrer Landesflagge starten und werden von Russlands Nationalem Olympischem Komitee (ROC) nominiert. Allerdings nur unter besonderen Auflagen: Sie müssen außerhalb des nicht funktionierenden Anti-Doping-Systems ihres Landes getestet worden sein oder werden. Wie die Auswahl der für eine Ausnahme infrage kommenden Aktiven erfolgen soll, ist nach dem Gipfel am IOC-Sitz weiterhin unklar. "Wir werden alles machen, was sie uns sagen", betonte Russlands Sportminister Witali Mutko. Die IAAF hatte vorgeschlagen, dass saubere Athleten aus Russland unter einer neutralen Flagge starten sollen.

Für Julia Stepanowa, die in der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" als Kronzeugin das russische Dopingsystem angeprangert hatte, dürften sich indes die Hoffnungen auf einen Rio-Start zerschlagen haben. Sie gilt in Russland als Verräterin und wird mit Sicherheit nicht vom ROC nominiert werden, obwohl sie die Auflagen des IOC erfüllen dürfte. Stepanowa könnte auch vom IOC ein Startrecht erhalten und unter olympischer Flagge laufen. Doch auch dies ist unwahrscheinlich.

Russischer Verband zieht vor den CAS

Der russische Leichtathletik-Verband wird trotz der IOC-Entscheidung gegen die Sperre seiner Athleten durch den Weltverband (IAAF) vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen. Der Einspruch werde im Namen aller Athleten eingereicht, "die noch nie gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen haben", sagte der Chef des russischen Olympia-Komitees, Alexander Schukow, am Rande des IOC-Gipfels am Dienstag. Die IAAF hatte am vergangenen Freitag die seit November wegen massiver Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln geltende Sperre gegen Russland verlängert.

Präzedenzfall bulgarische Gewichtheber

Der CAS mit Sitz in Lausanne ist die letzte Entscheidungsinstanz für Sportverbände und Nationale Olympische Komitees. Folgt der Sportgerichtshof seiner bisherigen Linie, dürfte er den Einspruch der Russen aber ablehnen. Anfang des Jahres hatte der CAS eine Entscheidung des Weltgewichtheberverbandes für rechtens erklärt, nach der der komplette bulgarische Verband wegen massiver Dopingverstöße suspendiert worden war.

Auch Kenia im Fokus

Bei seiner Sitzung in Lausanne am Dienstag beschloss das Internationale Olympische Komitee, die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zu stärken. IOC-Präsident Thomas Bach erklärte, das IOC und seine Mitgliedsorganisationen begrüßten die Suspendierung der russischen Leichtathleten durch die IAAF. Neben Russland steht auch Kenia wegen seiner mangelnden Anti-Doping-Politik im Fokus. Sportler aus beiden Ländern benötigen für ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen die Freigabe durch die jeweiligen internationalen Fachverbände. Zu den Kriterien gehören Dopingtests durch anerkannte und bestätigte Institutionen außerhalb der beiden Staaten. Auch hier ist noch unklar, wie diese Anforderung in der Praxis umgesetzt wird.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 09.07.2016, 20.15 Uhr

Stand: 22.06.16 09:00 Uhr

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