Sabrina Mockenhaupt © imago/Sebastian Wells Fotograf: Sebastian Wells

10.000 m / Marathon

"Mocki" will "Mega-Herausforderung" meistern

von Bettina Lenner aus Zürich, sportschau.de

Seit zwölf Jahren ist Sabrina Mockenhaupt Stammgast auf der großen internationalen Leichtathletik-Bühne. Nicht immer lief es wie gewünscht. Nun hat sich die 33-Jährige für Zürich ganz viel vorgenommen: den Doppelstart über 10.000 m und im Marathon. Aber warum bloß?

In Trainingsklamotten und Ballerinas biegt Sabrina Mockenhaupt um die Ecke. Sie strahlt, ist fröhlich - wie immer eigentlich. Doch etwas ist anders für die 33-Jährige bei diesen Leichtathletik-Europameisterschaften in Zürich, die am Dienstag beginnen: Die Siegerländerin, die seit 2002 zum Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bei internationalen Großereignissen zählt, hat sich mit ihrem Start über 10.000 m am Auftakttag (20.10 Uhr) und im Marathon am Sonnabend (9 Uhr, live im Ersten) das größte Mammutprogramm ihrer Karriere auferlegt. Wie will sie das bloß schaffen? "Mocki" ist zuversichtlich: "Es ist eine Mega-Herausforderung, der ich mich aber gerne stellen möchte. Die 10.000 m sind nach wie vor meine Leidenschaft und Marathon laufe ich für die Mannschaft. Ich habe mich gut vorbereitet und denke, dass ich beides schaffen kann."

Aus der Not eine Tugend gemacht

Ein bisschen macht das 1,55 m kleine und 45 Kilogramm leichte Energiebündel auch aus der Not eine Tugend. Wie so oft hatte sie keine Wahl treffen können. "Das ist ein Riesenproblem. Wir arbeiten nach wie vor daran, dass ich mich irgendwann mal entscheiden kann", erzählt die dreimalige Olympia-Teilnehmerin im Gespräch mit der ARD. Wir, das sind in erster Linie sie und die ehemalige Weltklasse-Speerwerferin Tanja Damaske. Die Europameisterin von 1998 berät sie seit einiger Zeit als Mentaltrainerin - und hat ihr zu einer weiteren wichtigen Erkenntnis verholfen: "Je älter man wird, desto aufgeregter ist man. Das ist auch ein Problem. Ich hätte gerne nochmal diese jugendliche Leichtigkeit zurück, die ich früher hatte. Aber jetzt muss ich eben damit umgehen, dass die Herausforderung immer größer wird."

Potenzial auf die Bahn bringen

Es wird spannend sein zu beobachten, ob und wie das in Zürich gelingt. Nicht immer hatte die 33-Jährige ihre Nerven und Rennen im Griff, im vergangenen Jahr bei der WM in Moskau stieg sie über 10.000 m vorzeitig aus ("Ich habe die Chance redlich versemmelt"). Im Juni bei der Team-EM in Braunschweig, wo das deutsche Team triumphierte, lief sie über 5.000 m hinterher. "Ich war mental in einem Loch, so etwas passiert. Aber in meinen Beinen steckt mehr, als ich immer abrufen kann. Da ist mentale Stärke gefragt. Da ist viel Potenzial, ich muss es halt auf die Bahn beziehungsweise auf die Straße bringen", so die EM-Vierte von Barcelona 2010 und EM-Fünfte von Helsinki vor zwei Jahren.

"Es ist alles möglich"

Und diesmal? Ist vielleicht sogar die erste große internationale Medaille drin? "Mocki" winkt ab. "Über eine Medaille möchte ich gar nicht reden. Wenn die anderen besser sind, dann sind sie besser. Ich möchte meine Leistung abrufen und über mich hinauswachsen, dann bin ich zufrieden." Klingt vernünftig. Und dennoch: "Es gibt keine Überfliegerin, das ganze Feld ist sehr eng. Es ist alles möglich", sagt die 39-malige deutsche Meisterin, die sich auf den 10.000 m den Schwung für die 42,195 Kilometer holen will. "Wenn ich die 10.000 m gut laufe, gehe ich mit einem guten Gefühl in den Marathon. Die Strecke ist so schwer, dass viele Überraschungen passieren können", glaubt sie.

Ihr größter Wunsch: "Dass ich für alles, was ich investiere, auch mal belohnt werde. Irgendwann ist das Glück vielleicht auf meiner Seite." Wenn nicht jetzt, dann möglicherweise in Rio de Janeiro, wo 2016 die Olympischen Spiele stattfinden. "Da bin ich auf jeden Fall dabei - und auch noch länger", unterstreicht Mockenhaupt. Fernziel ist die EM in Berlin 2018: "Da will ich noch den Marathon machen - und auch wirklich nur den Marathon."

Stand: 11.08.14 18:06 Uhr