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Zehnkampf

Pascal Behrenbruch ist der König der Athleten

Als es vollbracht war, reckte Pascal Behrenbruch stolz die Arme in die Luft. Die schwarz-rot-goldene Flagge um die Schultern gelegt, zeigte er immer wieder die Siegerfaust: Mit persönlicher Bestleistung von 8.558 Punkten krönte sich der Frankfurter bei der Leichtathletik-EM zum "König der Athleten" und sicherte sich den ersten internationalen Titel seiner Karriere. Der WM-Sechste von 2009 ist damit der erste deutsche Europameister seit 1971. "Das ist ein Riesengefühl", sagte der 27-Jährige, der zudem hinter dem neuen Weltrekordhalter Ashton Eaton (9.039) aus den USA Platz zwei der aktuellen Weltrangliste eroberte: "Es lief eigentlich überall gut. Es ist ein richtig geiles Ding rausgekommen."

Glanzpunkte im Kugelstoßen und Stabhochsprung

Der WM-Siebte des vergangenen Jahres wurde seiner Favoritenstellung souverän gerecht und deklassierte die Konkurrenz. Hinter ihm holte der Ukrainer Alexej Kasjanow (8.321) Silber. Dritter wurde Ilja Schurenjow (Russland) mit 8.219 Zählern. Norman Müller (Halle) landete mit 8.003 Punkten auf Rang sieben. Der erst 19 Jahre alte EM-Debütant Mathias Brugger (Ulm) musste seinen Wettkampf vor dem Stabhochsprung verletzungsbedingt beenden. Behrenbruch zeigte an den beiden Wettkampftagen kaum eine Schwäche und glänzte besonders im Kugelstoßen, als ihm mit 16,89 m die größte Weite in der EM-Geschichte des Zehnkampfs gelang, sowie im Stabhochsprung mit seinem ersten Fünf-Meter-Sprung. "Das war immer ein Traum", bekannte er. Für die Vorentscheidung sorgte er beim Speerwerfen, als er Kasjanow ganze 227 Punkte abnahm.

Medaille aus der Hand von Mentor Nool

Pascal Behrenbruch beim Speerwurf im Zehnkampf © dapd Fotograf: Matt Dunham
große Bildversion anzeigen "Immer Vollgas": Pascal Behrenbruch.

Der 1,96 m große und 94 Kilo schwere Modellathlet galt lange als Bad Boy, der sein Talent nicht ausschöpft und sein Potenzial verschwendet. Doch im vergangenen Jahr startete er neu durch. Nachdem ihn der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) aus dem Top-Team-Kader gestrichen und sich sein Trainer Jürgen Sammert von ihm getrennt hatte, verlagerte Behrenbruch seinen Lebensmittelpunkt nach Tallinn in Estland. Die Luftveränderung im Baltikum tat ihm offenbar gut. Er wirkt spritziger - und vor allem gereifter als zuvor. In der estnischen Hauptstadt trainiert er unter Andrej Nazarow, der einst Erki Nool zum Weltklasse-Zehnkämpfer formte. Manchmal kommt auch der Olympiasieger höchstpersönlich vorbei und macht Behrenbruch Dampf. "Er fordert sehr viel von mir. Immer Vollgas", so Behrenbruch. Am Freitag erhält er seine Goldmedaille nun ausgerechnet aus den Händen seines Mentors: "Das wird etwas ganz Besonderes. Ein ganz emotionaler Moment", meinte er.

Hoffen auf Förderung durch den DLV

Behrenbruch war in Helsinki gegen den Willen des DLV gestartet. "Der Bundestrainer wollte eigentlich nicht, dass wir beides machen, EM und Olympia", sagte er: "Ich bin eigentlich ein ganz lieber Typ, aber ich habe nun einmal einen eigenen Kopf und treffe meine eigenen Entscheidungen." Dabei bleibt es auch künftig: Es habe bereits Gespräche mit DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen gegeben, der seinen Respekt geäußert habe, berichtete Behrenbruch. Eine Rückkehr schließt er dennoch aus. "Ich will auf jeden Fall ein Miteinander mit dem Verband. Ich werde aber meinen Weg alleine gehen und hoffe trotzdem auf eine Förderung durch den DLV."

Olympia-Medaille das Ziel

Mit 27 Jahren ist Behrenbruch im besten Zehnkampfalter und sucht auch bei den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August) seine Chance. "Gold ist natürlich für Ashton Eaton reserviert. Aber es werden alle anderen um Silber und Bronze kämpfen. Eine Medaille ist nach dem Erfolg hier auf jeden Fall das Ziel", betonte der Europameister.

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