Asli Cakir Alptekin © picture alliance / dpa

Doping

Alptekin gesteht Betrug und belastet Diack-Clan

Die derzeit gesperrte türkische Leichtathletin Asli Alptekin hat in einem ARD-Interview erstmals ihr Doping-Vergehen zugegeben und gleichzeitig den früheren Weltverbandspräsidenten Lamine Diack sowie dessen Söhne Massata und Khalil der Bestechlichkeit bezichtigt. Die Läuferin sollte 650.000 Euro zahlen, um Olympia-Gold zu behalten.

2012 hatte Alptekin Geschichte geschrieben, als sie für ihr Land erstmals Olympia-Gold in der Leichtathletik holte. Ein Jahr später wurde sie jedoch mithilfe ihres biologischen Blutpasses zum zweiten Mal nach 2004 des Dopings überführt. Die Wiederholungstäterin verlor ihre Goldmedaille über 1.500 m und wurde bis 2021 für alle Leichtathletik-Wettbewerbe gesperrt. Bis dato hatte sie allerdings stets behauptet, unschuldig zu sein. Sie sei Opfer, keine Doperin.

Asli Alptekin im Interview

16:07 min | 09.07.2016 | Das Erste | Autor/in: Hajo Seppelt, Felix Becker

Alptekin gesteht Doping - Vorwürfe gegen Diack-Clan

Die gesperrte Türkin Asli Alptekin hat erstmals Doping gestanden. Zudem erhebt die 30-Jährige schwere Vorwürfe gegen den Diack-Clan.

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"Es hat eine Verletzung der Regeln gegeben"

Im ARD-Interview jetzt die Kehrtwende: "Es hat eine Verletzung der Anti-Doping-Regeln gegeben. Ich bin selbst sehr traurig darüber, dass dies geschah. Aber deshalb bemühe ich mich jetzt, zur Aufklärung des Problems beizutragen, ich werde den Kampf gegen Korruption und Doping unterstützen. Ich sage als Zeugin aus und werde der WADA helfen", sagte die 30-Jährige.

Brisante Informationen über die Diack-Söhne

Eine Olympiasiegerin gesteht Betrug. Aber möglicherweise mehr aus Kalkül als aus Einsicht. Denn Alptekin und ihr Mann Ihsan, der auch ihr Trainer ist, wussten: Eine erhebliche Verkürzung der Sperre wäre denkbar - wenn sie als Whistleblowerin gegenüber der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Hinweise zur Dopingaufklärung liefern. Und in der Tat: Ihre Informationen sind brisant. Mit Teilen davon gehen sie jetzt erstmals an die Öffentlichkeit. Die Alptekins behaupten, dass sie 2012 bezahlen sollten, damit der Fall vertuscht wird - bezahlen an Khalil und Massata Diack. Sie sind die Söhne von Lamine Diack, dem damaligen Präsidenten des Weltleichtathletikverbandes IAAF.

"Auf diese Weise davonkommen"

"Massata Diack kam zu uns in die Türkei. Er wollte uns in Istanbul sehen. Wir haben ihn dann getroffen und er hat uns gesagt, dass er die Sache gegen Bezahlung lösen könnte. Er hat von uns 650.000 Euro verlangt. Diese 650.000 sollten an den Chefmediziner der IAAF, Gabriel Dollé, und einige andere im Verband gehen. Außerdem an einige andere Personen", schilderte Asli Alptekin. "Wir haben gefragt, wofür wir die 650.000 Euro zahlen sollen? Wir haben es abgelehnt. Dann hat er gesagt, gut dann zahlt 500.000 Euro. Das haben wir auch nicht akzeptiert. Er ist dann runter auf 350.000 Euro gegangen. Wir haben nichts von alldem akzeptiert", ergänzte ihr Mann. Massata Diack, so Asli Alptekin, habe dann gesagt: "Das wäre nur so zu lösen. Auf der ganzen Welt würden Spitzensportler auf diese Weise davonkommen.“

Dabei ist ein Tondokument von besonderer Brisanz. Khalil Diacks Äußerungen wurden von den Alptekins mit einem versteckten Aufnahmegerät aufgezeichnet:

„Lamine Diack ist die Person, die Alptekins Problem lösen kann. Damit man sie offiziell für sauber erklärt, müssen wir etwas auf den Tisch legen. Das sind Fälle, wo Geld ins Spiel kommen muss. Du musst es schaffen, die Leute zu motivieren, mit denen du sprichst. Verstehst du, was ich meine? Zu Gabriel Dollé gehen wir nicht direkt, da kümmert sich der Anwalt drum. Das läuft in bar, so läuft das. Da wird nichts unterschrieben. Unter uns: Wir wissen doch, dass das nicht der erste Fall dieser Art ist.“

Kein Start in Rio

Wegen ihrer Mithilfe als Doping-Kronzeugin wird Alptekins Sperre voraussichtlich auf vier Jahre reduziert, dann dürfte sie ab dem 10. Januar 2017 wieder starten. Zuletzt hatte sie allerdings vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS geklagt, um eine Reduzierung der Sperre auf nur noch zwei Jahre zu erwirken. Dies hätte ihr den angestrebten Olympiastart in Rio ermöglicht. Der CAS lehnte dieses Ansinnen Anfang Juli jedoch ab.

Ex-Präsident Lamine Diack ist inzwischen von der französischen Justiz wegen Betrugs und Geldwäsche angeklagt. Sein Sohn Massata wird von Interpol per Haftbefehl gesucht.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 09.07.2016, 20.15 Uhr

Stand: 09.07.16 13:03 Uhr