Hintergrund

Ashton Eaton © picture alliance / dpa Fotograf: John G. Mabanglo

Zehnkampf

Die Könige der Athleten

Der Krönungsakt für die "Könige der Athleten" dauert zwei Tage und erfordert Kampf bis (fast) zum Koma. Unvergessen: die Duelle Hingsen - Thompson und Busemanns Olympia-Silber 1996.

Vier Lauf- sowie je drei Sprung- und Wurfdisziplinen tragen die Zehnkämpfer an zwei aufeinander folgenden Tagen mit je fünf Wettbewerben aus. 100 m, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung sowie die 400 m stehen am ersten Tag auf dem Programm, 110 m Hürden, Diskuswerfen, Stabhochsprung, Speerwurf und abschließend die 1.500 m am zweiten. Anhand der internationalen Wertungstabelle werden Punkte für die erzielten Leistungen vergeben und zum Gesamtergebnis addiert.

Sebrle knackt die magische Marke

Regeln

Die Regeln sind an die der Einzeldisziplinen gebunden. Allerdings zieht bei den Läufen nicht jeder Fehlstart den direkten Ausschluss nach sich. So führt der erste Fehlstart lediglich zu einer Verwarnung des Verursachers, danach wird jeder Läufer, der einen weiteren Fehlstart produziert, disqualifiziert. Zudem hat bei den Sprüngen und Würfen jeder Athlet drei Versuche und nicht sechs, wie die besten Acht bei den Entscheidungen in den Einzeldisziplinen.

Am 27. Mai 2001 schrieb Roman Sebrle im Mehrkampf-Mekka Götzis Sportgeschichte: Als erster Zehnkämpfer knackte der Tscheche mit 9.026 Zählern die magische 9.000-Punkte-Marke. Bis dahin war es ein langer Weg: Erster deutscher Weltrekordler war Hans Heinrich Sievert 1934 mit 8.790,46 Punkten - heute wären das immerhin 7.147 Zähler. In Tokio holte Willi Holdorf 1964 Olympia-Gold.

Die große Zeit des deutschen Zehnkampfs begann in den 1980er-Jahren. Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles kam es zum großen Duell zwischen dem Uerdinger Jürgen Hingsen und dem Briten Daley Thompson, der am Ende Gold gewann und gleichzeitig den Deutschen als Weltrekordler entthronte. Auf Rang drei landete mit Siegfried Wentz ein weiterer der "drei Musketiere".

Hingsen erlebt Fehlstart-Drama

Disqualifikation von Zehnkämpfer Jürgen Hingsen bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 © Picture Alliance/Werek Fotograf: Werek

Historische Blamage: Jürgen Hingsens Disqualifikation bei den Spielen 1988.

Thompson wurde zweimal Olympiasieger (1980 und 1984), einmal Weltmeister (1983) und zweimal Europameister (1982 und 1986). Bei Olympia 1988 in Seoul erlitt Hingsen seine demütigendste Niederlage, als er siegesgewiss drei Fehlstarts beim 100-m-Rennen verursachte und disqualifiziert wurde. Gold ging an den Rostocker Christian Schenk, Silber holte sein DDR-Teamkamerad Torsten Voss. Der Schweriner setzte sich bei der WM 1987 in Rom gegen den hoch eingeschätzten "Siggi" Wentz durch und gewann so als erster deutscher Zehnkämpfer WM-Gold.

Busemann: Aus dem Nichts zu Olympia-Silber

Die frühen 1990er-Jahre prägte Dan O'Brian. Der US-Amerikaner holte drei Weltmeistertitel in Folge (1991 - 1995). 1993 in Stuttgart musste er sich mit Publikumsliebling Paul Meier auseinandersetzen, dessen Karriere dort bereits ihren Höhepunkt erreichte. Am Ende sicherte sich Meier Bronze. Beim Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 musste O'Brian alles geben, um sich des Angriffs eines unbekümmert auftretenden Nobodys namens Frank Busemann zu erwehren, der erst den fünften Zehnkampf seines Lebens bestritt. Nach seinem Silber-Coup mit 8.706 Punkten schaffte der "Strahlemann" aus Recklinghausen bei der WM 1997 in Athen mit Rang drei noch einmal den Sprung aufs Treppchen.

Amerikaner Eaton übertrumpft Sebrle

Bereits im Juli 1999 streifte der Tscheche Tomas Dvorak die Traumgrenze von 9.000 Punkten: Mit 8.994 Zählern fehlten ihm am Ende ganze sechs Punkte zum ultimativen Triumph. Der dreimalige Weltmeister (1997 - 2001) musste 2001 mit ansehen, wie sein ehemaliger Trainingspartner Sebrle mit 9.026 Zählern in Götzis das vollendete, was ihm knapp versagt geblieben war. Elf Jahre dauerte es, bis jemand die Marke des Olympiasiegers von 2004 und Weltmeisters von 2007 übertreffen konnte: Der Amerikaner Ashton Eaton steigerte den Weltrekord bei den US-amerikanischen Qualifikationswettbewerben für die Sommerspiele 2012 zunächst auf 9.039 Punkte, ehe er bei seinem grandiosen zweiten WM-Sieg 2015 in Peking nochmals sechs Punkte draufpackte.

Behrenbruch Europameister, Schrader WM-Zweiter

Pascal Behrenbruch mit EM-Gold © picture alliance / dpa Fotograf: Michael Kappeler

Pascal Behrenbruch mit EM-Gold.

In London krönte sich Eaton, der ein Jahr später in Moskau erstmals Weltmeister wurde, zum Olympiasieger und verwies dabei seinen Landsmann Trey Hardee, 2009 und 2011 Weltmeister, auf Rang zwei. Rico Freimuth wurde Sechster. Internationales Edelmetall holte sich der Sohn von Uwe Freimuth, dem WM-Vierten von 1983, dann 2015 bei der WM in Moskau mit Bronze.

Bei Eatons WM-Sieg 2013 hatte Michael Schrader mit einem beherzten Wettkampf und Rang zwei begeistert. Internationale Meriten sammelte auch Pascal Behrenbruch. Der Frankfurter triumphierte 2010 in Helsinki und avancierte damit zum ersten deutschen Zehnkampf-Europameister seit Joachim Kirst 1971.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 09.07.2016, 20.15 Uhr

Stand: 01.06.16 15:55 Uhr

Titelverteidiger

Andrej Krautschanka (Weißrussland) 8.616 Pkt.

Rekorde

WR: Ashton Eaton (USA) 9.045 Pkt.
ER: Roman Sebrle (Tschechien) 9.026
DR: Jürgen Hingsen (Uerdingen/Dormagen) 8.832

Termine und Teilnehmer

Männer - Zehnkampf
Datum Zeit Runde
06.07. 10:50 Uhr 100 Meter, 1. Lauf
06.07. 10:56 Uhr 100 Meter, 2. Lauf
06.07. 11:02 Uhr 100 Meter, 3. Lauf
06.07. 11:08 Uhr 100 Meter, 4. Lauf
06.07. 11:45 Uhr Weitsprung, Gruppe B
06.07. 11:45 Uhr Weitsprung, Gruppe A
06.07. 13:25 Uhr Kugelstoßen, Gruppe A
06.07. 13:25 Uhr Kugelstoßen, Gruppe B
06.07. 15:30 Uhr Hochsprung, Gruppe B
06.07. 15:30 Uhr Hochsprung, Gruppe A
06.07. 19:38 Uhr 400 Meter, 1. Lauf
06.07. 19:44 Uhr 400 Meter, 2. Lauf
06.07. 19:50 Uhr 400 Meter, 3. Lauf
06.07. 19:56 Uhr 400 Meter, 4. Lauf
07.07. 09:30 Uhr 110 Meter Hürden, 1. Lauf
07.07. 09:37 Uhr 110 Meter Hürden, 2. Lauf
07.07. 09:44 Uhr 110 Meter Hürden, 3. Lauf
07.07. 10:20 Uhr Diskuswurf, Gruppe A
07.07. 11:40 Uhr Diskuswurf, Gruppe B
07.07. 13:00 Uhr Stabhochsprung, Gruppe A
07.07. 13:00 Uhr Stabhochsprung, Gruppe B
07.07. 16:05 Uhr Speerwurf, Gruppe A
07.07. 17:10 Uhr Speerwurf, Gruppe B
07.07. 19:20 Uhr 1500 Meter, 1. Lauf