Marathonläuferin Uta Pippig

Halbmarathon

Premiere für den kleinen Bruder des Marathon

Der Halbmarathon feiert in Amsterdam EM-Premiere. Der auf der Marathon-Distanz basierende Straßenlauf ist erstmals Teil der kontinentalen Titelkämpfe - und gibt sich dabei volksnah.

Im Gegensatz zu seinem "großen Bruder", dem klassischen Marathon, entstand der Halbmarathon erst in den 1970er-Jahren, wurde in den Achtzigern immer populärer und erlebt aktuell einen regelrechten Boom. Angelehnt an den Marathon ist der Halbmarathon halb so lang wie der Klassiker. Heißt: 21,0975 statt 42,195 Kilometer - die zweitlängste Laufdisziplin in der Leichtathletik. Neben der Einzel- gibt es eine Teamwertung, in der die besten Zeiten der Athleten eines jeweiligen Landes addiert werden. Jedes Teilnehmerland kann je ein Frauen- und ein Männerteam melden, das aus mindestens drei und maximal sechs Läufern besteht.

Besonderes Highlight: Auch Jedermänner dürfen in Amsterdam an einem Citylauf über zehn Kilometern teilnehmen, der kurz nach dem Elitefeld startet. Bis zu 15.000 Breitensportler werden erwartet.

In den Olympia-Jahren ab sofort Teil der EM

Der Halbmarathon ist bei Amateuren wie Profis gleichermaßen beliebt. Er bedeutet nicht die ganz große Belastung wie ein Marathon, ist weniger trainingsintensiv und die körperlich verträglichere Variante; für die Meisterschaftsläufer ist er zudem eine gute Vorbereitung auf die 41,195 Kilometer. Das gilt besonders für Olympia-Jahre: Schließlich liegen nur wenige Wochen zwischen den kontinentalen Titelkämpfen und den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben.

Schon 2012, im Jahr der Sommerspiele in London, war der Marathon bei der EM in Helsinki aus dem Programm gestrichen worden, weil ein "Doppelstart" für die Athleten binnen so kurzer Zeit nicht machbar ist. Nun hat sich der Europäische Leichtathletikverband EAA für einen Kompromiss entschieden und den Halbmarathon in Olympia-Jahren in den EM-Wettkampfkalender aufgenommen. "So können sich die Langstrecken-Läufer auf höchstem Level miteinander messen und einen Härtetest vor den Olympischen Spielen absolvieren", erklärt EAA-Sprecher James Mulligan.

Anders als üblich liegen Start und Ziel in Amsterdam nicht im Stadion, sondern in der Innenstadt auf dem Museumsplatz. Mulligan: "Wir wollten den Wettkampf anders gestalten, als man es seit Jahrzehnten gewohnt ist. Und wir wollten nicht nur einfach ein Austragungsort sein, sondern die Stadt mit einbeziehen."

Halbmarathon-WM seit 1992

Halbmarathon-Weltmeisterschaften gibt es bereits seit 1992 unter dem Dach des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Parallelen sind unübersehbar: In der Teamwertung werden die drei besten Zeiten der Athleten eines jeweiligen Landes addiert, seit der WM 2014 in Kopenhagen können Jedermänner direkt nach den Profis starten.

Pippig und Eich deutsche Rekordhalter

Uta Pippig 1991 beim 3000m Lauf in Frankfurt.  Fotograf: Valeria Witters

Uta Pippig hält den deutschen Rekord.

Aus deutscher Sicht sorgten Uta Pippig und Carsten Eich über die rund 21 Kilometer für Furore. Pippig, die unter anderem dreimal beim Boston-Marathon und zweimal in Berlin triumphierte, stellte am 19. März 1995 im japanischen Kyoto in 1:07:58 Stunden einen Weltrekord über die halbe Distanz auf, der zwei Jahre Bestand hatte und noch heute deutscher Rekord ist.

Die 1:00:34 Stunden des achtmaligen deutschen Halbmarathon-Meisters Carsten Eich am 4. April 1993 in Berlin bedeuteten seinerzeit Europarekord und sind noch heute gültige nationale Bestmarke.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 09.07.2016, 20.15 Uhr

Stand: 02.06.16 16:50 Uhr

Rekorde

Männer:
WR: Zersenay Tadese (Eritrea) 58:23 Min.
ER: Mo Farah (Großbritanien) 59:32
DR: Carsten Eich (Leipzig) 1:00:34
Frauen:
WR: Florence Kiplagat (Kenia) 1:05:09
ER: Lornah Kiplagat (Niederlande) 1:06:25
DR: Uta Pippig (Leipzig) 1:07:58